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Bier trinken für Kuba

70 000 Franken hat ein Winterthurer Solidaritätsbier seit 1996 eingebracht - Geld, das für Computer, Kindergärten und Medizin in Kuba eingesetzt wird.

Warum nicht Bier trinken und dabei etwas Gutes tun? Vor sechs Jahren setzten die beiden Winterthurer Filip Haller und Christoph Steiner ihre Idee in die Tat um: Die beiden Mitgründer des genossenschaftlichen Getränkeladens Hako lancierten das Kuba-Bier. Von jedem verkauften Fläschchen sollten 50 Rappen nach Kuba fliessen - als bescheidene lokale Antwort auf die Kuba-Politik der USA. Via Hako, die Szenenbeiz "Widder" und den Zürcher Getränkelieferanten Intercomestibles wird das Kuba-Bier seither vertrieben - mit wachsendem Erfolg. Anfangs kamen 10 000 Franken pro Jahr zusammen, mittlerweile bald 15 000. 140 000 Fläschchen Kuba-Bier aus der kleinen Einsiedler Rosengarten-Brauerei wurden bisher getrunken - im Kampf gegen den Kuba-Boykott. "Viele Jüngere wissen darüber gar nicht mehr Bescheid", hat Steiner festgestellt, "ihnen müssen wir jeweils erzählen, wie es dazu kam und was das für die Leute und die Wirtschaft in Kuba bedeutet."

Geld auch für Nicaragua und Mexico

Die 70 000 Franken, die aus dem Verkauf bisher resultierten, investierten Haller und Steiner im ersten Jahr in Computer für die Regierungspartei, dann unterstützten sie ein kubanisches Handwerkerkollektiv, das einen Kindergarten und ein Kinderspital sanierte. Ein Kindergarten im Küstenort Guanabo wurde geplant, und neuerdings unterstützen sie das Hilfswerk Medicuba, das unter anderem vom SP-Nationalrat und Arzt Franco Cavalli gegründet wurde. Dazwischen floss Geld an eine deutsche Solidaritätsgruppe, die Ersatzteile für die kubanische Industrie besorgt. Ebenso unterstützten sie den Kaffeekampf in Nicaragua sowie den Wiederaufbau eines Dorfes im mexikanischen Chiapas - auch das ist laut der Internet-Homepage mit dem Solidaritätsfünfziger möglich.

"Manchmal ist es schwierig für uns zu kontrollieren, wo das Geld genau hinfliesst, bei Medicuba haben wir diese Kontrolle", sagt Steiner, der selber regelmässig nach Kuba und Lateinamerika reist. Momentan ist Kollege Haller in Kuba und hat gemailt, dass er Kontakt mit dem lokalen Medicuba-Koordinator habe und der Bau des Kindergartens voranschreite. Dringend sind sanitäre Anlagen, eine Küche und ein Esssaal. Eine kubanische Architektin vor Ort ist für die Planung zuständig.

Ausbaupläne haben Steiner und Haller nicht, sie wollen die Solidaritätsaktion nicht ausweiten. Zwar haben sie vor Weihnachten ein Flugblatt verschickt, das auf die Zusammenarbeit mit Medicuba hinweist. Doch die Verwaltung soll so klein bleiben wie bisher: Rechnungen, Korrespondenz und Flugblätter haben in einem einzigen Ordner Platz. So gesehen ist das Winterthurer Kuba-Bier wohl eines der kleinsten Hilfswerke der Schweiz.

Quelle: www.tagesanzeiger.ch

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